Presse

Mehr Unterstützung wäre schön

Schwarzwälder Bote, 17.05.2022

Die Geehrten mit der neuen Vorsitzenden Annick Grassi (links) und Paul Huber (rechts). Bild: Monika Schwarz

Der Kampf um eine Besserstellung der Tageseltern ist noch nicht beendet, wie auf der Hauptversammlung des Tageselternvereins deutlich wurde.

Das Interesse der Tageseltern und der Mitarbeiter des Vereins war so groß, dass man die Versammlung unter der Leitung der neuen Vorsitzenden Annick Grassi und ihres Stellvertreters Paul Huber kurzfristig in den großen Sitzungssaal des Landratsamts verlegen musste. Als Vertreterin der Stadt Freudenstadt lobte Bürgermeisterin Dr. Stephanie Hentschel die „flexible und qualifizierte“ Kindertagespflege, die der Tageselternverein seit über 25 Jahren im Landkreis anbiete. Dies ermögliche den Eltern Flexibilität und trage zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei.

Die Tageseltern ergänzten das Betreuungsangebot nicht nur, sondern schließen eine große Lücke: Der Wert kleiner dezentraler Betreuungseinheiten der Kindertagespflege sei unter Pandemiebedingungen besonders deutlich geworden. Eine Herausforderung sei derzeit das geforderte Gewalt-bzw. Kinderschutzkonzept, das auch Tageseltern betreffe – wenn auch bisher nur als Empfehlung. Formale Anforderungen nähmen neben den pädagogischen Anforderungen an die Tätigkeit stetig zu, die Unterstützung durch den Tageselternverein sei deshalb wichtig.

Patrick Seidler, der neue Sachgebietsleiter für das Kindergartenwesen in Horb, stellte sich kurz vor. Ein „großes Dankeschön“ für den Verein und die Tageseltern gab es auch von Birgit Bester, der stellvertretenden Amtsleiterin im Jugendamt.

Paul Huber informierte über personelle Veränderungen im Verein und besonders die reibungslose Vorstandsübergabe von Rosenberger auf Grassi. Er präsentierte auch die aktuelle Raumsituation: Dis bisherigen Räume in der Schul- und Bahnhofstraße in Freudenstadt seien unter Coronabedingungen zu eng geworden, weshalb man neue Räumlichkeiten suche. Aktuell stünden geeignete Räume in Loßburg – Akademie EigenSinn und Kinderheim Rodt – sowie in Horb bei der Firma Infinex zur Verfügung.

2021 wurden 640 Kinder von 100 Tagespflegepersonen betreut. Die Zahl der Betreuungspersonen in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Eine Honorierung im Bereich des Billiglohnsektors sei eben nicht sonderlich motivierend, sagte Huber dazu. Am 31. Dezember 2021 wurden exakt 349 Kinder von 77 Tagespflegepersonen betreut. Seit Januar dieses Jahres ist die Zahl der unter-Dreijährigen in der Betreuung um 22 gestiegen.

Huber berichtete zudem von den besonderen Herausforderungen während der Pandemie – Notbetreuung, Maskenpflicht, Testpflicht und wechselnde Coronaverordnungen sowie neue Kommunikationswege – und von der Erhöhung der Unterrichtseinheiten bei der Qualifizierung zur Tagespflegeperson auf 300; dies steigere die Qualität.

Für bereits qualifizierte Kindertagespflegepersonen ist eine Aufbauqualifizierung von 140 Unterrichtseinheiten vorgesehen. Hinzu kommen jährliche Fortbildungen über 20 Unterrichtseinheiten zu Themen wie Kindeswohl, Kinderrechte und Kinderschutz. Die Erweiterung der Qualifizierung folgt dem „ kompetenzorientierten Ansatz“, für dessen Vermittlung und Befähigung Multiplikatoren – Paul Huber, Manuela Bühl und Magdalena Röhrig-Zanocco – geschult wurden.

Auch Mitarbeiterinnen des Tageselternvereines haben sich mittels Schulungen auf die neue Aufgabe vorbereitet. Mindestens 50 der 300 Unterrichtseinheiten müssen die künftigen Tageseltern vor Aufnahme der Tätigkeit absolvieren, der Rest folgt begleitend. Die Qualifizierung startet jeweils im Frühjahr und Herbst mit einem dreiwöchigen Ausbildungsblock von jeweils 8.30 bis 12.30 Uhr.

Die finanzielle Seite

Huber stellte an Fallbeispielen das nach wie vor niedrige Entgelt für die Tagespflegeeltern dar. Zwar wurden die Geldleistungen im Kreis zwischenzeitlich auf 6,50 Euro pro Kind und Betreuungsstunde erhöht, empfohlen seien aber 9,50 Euro. Eine erste Gesprächsrunde dazu ist für 19. Mai anberaumt; dass 9,50 Euro am Ende als Ergebnis stehen, wagt Huber nicht zu hoffen, wie er sagte.

Ein weiteres Problem: Erscheine ein angemeldetes Kind nicht zur Betreuung, werde auch nichts bezahlt. Gerechter sei nach Hubers Meinung eine „Platzpauschale“ – allein für die Bereitstellung des Betreuungsplatzes; ähnlich werde es in Kindergärten gehandhabt. Weiter fordert der Landesverband der Kindertagespflege gehört die Finanzierung eines verlässlichen Vertretungssystemes.

Anschließend berichteten Tagespflegepersonen von ihren positiven Erfahrungen mit der Qualifizierung, aber auch mit der Tätigkeit insgesamt. Susanne Schnürle präsentierte den Kassenbericht des Vereins. Nicht zuletzt dank der Spenden und der Förderung sowie der Mittel vom Land über das „Gute-KiTa-Gesetz“ wurde in der Summe ein positives Ergebnis von knapp 71000 Euro erzielt und in das Jahr 2022 übertragen.

In seinem Ausblick informierte Huber über das geplante Grillfest am 25. Juni und das Stadtradeln zwischen dem 26. Juni uns 16. Juli mit einem Team der Kindertagespflege sowie über die anstehenden Qualifizierungs- und Fortbildungstermine. Die Fortbildungskosten für die „Erste Hilfe am Kind“ übernehme seit 2021 die Unfallkasse Baden-Württemberg.

Ehrungen

Verdiente Mitglieder: Susanne Beck, Marianne Grimm-Gicklhorn, Christina Pauline Groß, Yvonne Hammer, Sabrina Heidenwang-Fleig, Prisca Huss, Sandra Kirberg, Ursula Kolley, Gisela Krötz.Gabriele Maier, Sabrina Niggel, Petra Schaible, Nelli Schall, Brigitte Scholz, Daniela Steinhilber, Cordula Walter.

Langjährige Kindertagespflegepersonen: Emilie Aniskewitz, Marika Haberer, Karin Krauth, Sabine Wein.

Als Tagesmutter ist sie zu ihrer eigenen Chefin geworden

Schwarzwälder Bote, 17.02.2022

Katja Rumpelt aus Grünmettstetten erzählt von ihrer Arbeit mit Kindern/ Nachfrage ist hoch

Katja Rumpelt hat bei ihrer Arbeit als Tagesmutter täglich viel Freude. Foto: Kugel

Die Nachfrage nach Kinderbetreuung im Kreis Freudenstadt ist hoch. So hoch, dass der Tageselternverein nicht alle Anfragen positiv beantworten kann. Eine Tagesmutter aus Grünmettstetten berichtet, für wen sich die Arbeit eignet –­ und wie sie als Tagesmutter ein ganz neues Leben anfangen konnte.

Horb/Kreis Freudenstadt - Katja Rumpelt aus Grünmettstetten ist seit 2019 Tagesmutter. Für die 48-Jährige ein Vollzeitjob, denn sie betreut fünf Kinder im Alter von unter drei Jahren an fünf Tagen pro Woche – zwischen 6.30 und 17 Uhr. Für sie eine große Bereicherung –­ und außerdem ist sie ihre eigene Chefin. Im Gespräch mit unserer Redaktion erzählt Katja Rumpelt, wie sie ihre Aufgabe als Tagesmutter gefunden hat: Vor vier Jahren habe sie durch eines ihrer Kinder, das in der Tagespflege in Schopfloch war, sehr positive Erfahrungen gemacht. Die alleinerziehende Mutter war von dem Konzept begeistert und entschloss sich dazu, selbst die Ausbildung beim Tageselternverein zu machen.

Ausbildung eine Bereicherung

Die Ausbildung von Dezember 2018 bis November 2021 – wegen Corona über einen längeren Zeitraum als üblich – sei für sie eine Bereicherung gewesen. "Der Austausch mit den anderen in der Gruppe war sehr wertvoll. Es waren sechs Frauen und Männer in der Gruppe. Dort saßen Hausfrauen, Betriebswirte, Mütter, Erzieherinnen", berichtet Katja Rumpelt. Schon nach vier Monaten konnte sie selbst Kinder betreuen. Sie lernt unterschiedliche Kulturen und Erziehungsstile kennen. "Es gibt kein Schema F. Ich lerne mit jedem Kind dazu", sagt sie. Das Schönste an ihrer Arbeit sei für sie das Lachen der Kinder und wenn Eltern ihre Arbeit wertschätzen. "An Weihnachten bin ich reich beschenkt worden", erzählt sie von einem Erlebnis der Wertschätzung.

Weg von Hartz IV

Die Arbeit als Tagesmutter hat die Lebenssituation von Katja Rumpelt zum Positiven verändert: "Ich habe vor drei Jahren den Sprung von Hartz IV in die Selbstständigkeit geschafft", erzählt die gelernte Bürokauffrau. Jetzt ist sie ihre eigene Chefin. Pro Kind und Stunde bekommt sie 6,50 Euro, bezahlt vom Jugendamt Freudenstadt. Allerdings, sagt sie, dürfe man nicht den Stundenlohn an erster Stelle sehen. Denn für sie kommen noch Aufgaben wie Vorbereitungen, putzen und kochen dazu. Das sei unbezahlte Arbeitszeit.

Auch während der Corona-Pandemie habe sie kaum finanzielle Einbußen gehabt. "Ich hatte das Glück, dass ich weiter betreuen konnte", sagt Katja Rumpelt. Ein wenig zusätzlichen Aufwand habe sie aber trotzdem gehabt. Denn sie musste für mehr und aufwendigere Hygiene in ihren Räumen sorgen und sich selbst täglich testen.

Sein eigener Chef sein

Weiterempfehlen könne sie die Tätigkeit als Tagespflegepersonen Menschen, die in erster Linie gerne mit Kindern arbeiten, ihr eigener Chef sein wollen, kooperationsbereit und interessiert an regelmäßigen Weiterbildungen sind. Jedes Jahr seien 20 Unterrichtseinheiten aus unterschiedlichen Bereichen vorgesehen, beispielsweise zu Waldpädagogik oder Themen wie das Erkennen von sexuellem Missbrauch.

Noch mehr engagierte Tagespflegepersonen wie Katja Rumpelt wünscht sich der Tageselternverein des Landkreises Freudenstadt. Ingrid Hoyer vom Verein sagt: "Zum Ende letzten Jahres haben 77 Tagespflegepersonen im Kreis Freudenstadt betreut. Leider können wir zurzeit nicht alle Anfragen nach einem Betreuungsplatz positiv beantworten, der Bedarf an Tageseltern ist also deutlich höher."

Im vergangenen Herbst haben sechs Personen den Kurs begonnen, sie werden im Sommer ihre Prüfung ablegen. "Anfang März beginnt ein neuer Qualifizierungskurs, an diesem Kurs werden voraussichtlich sieben Personen teilnehmen, ein zweiter Kurs soll im September beginnen", berichtet Hoyer.

Information zur Kursanmeldung

Im März-Kurs gibt es noch wenige freie Plätze, bei Interesse sollte man sich so bald wie möglich unter Telefon 07451/8483 oder 07441/905569 beiziehungsweise unter E-Mail horb@tev-fds oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! melden.

Neue Tageseltern zertifiziert

Neckar Chronik, 21.01.2022

Nach 160 Unterrichtseinheiten in zwei Jahren haben 13 Frauen und Männer aus dem Landkreis die Grundqualifizierung zur Kinderbetreuung erworben.

Paul Huber (links) und (von rechts) Manuela Bühl, Angelika Klingler und Annick Grassi gratulierten den Tageseltern zum Zertifikat. Bild: Hans-Michael Greiß

Der Erfolg aus zwei Jahren Büffeln kann sich sehen lassen: Die beiden Vorsitzenden des Tageselternvereins im Landkreis Freudenstadt, Annick Grassi und Paul Huber, überreichten die Abschlusszertifikate an 13 Kindertagespflegepersonen. Damit haben sie nach 160 Unterrichtseinheiten die Grundqualifizierung zur Kinderbetreuung erworben.

Im Schulungsraum der Firma Infinex im Industriegebiet Heiligenfeld fand im Rahmen einer kleinen Abschlussfeier die Übergabe statt. Sich über eine derart lange Zeitspanne die Wochenenden freizuhalten, um an den Schulungen teilzunehmen, bedeute eine hohe Lernbereitschaft, Organisationsfähigkeit und Begeisterung für die professionelle Kinderbetreuung, bescheinigte Kursleiterin Manuela Bühl den Absolventen. Außer profunden Kenntnissen über Betriebswirtschaft, Ernährungskunde, Gesundheitsfürsorge und Konfliktbewältigung haben die Teilnehmenden sehr viel Bildung für ihre eigene Persönlichkeit gewonnen.

Die nächste Stufe wartet bereits

In einem zweitägigen Abschlussseminar hatte sich eine Prüfungskommission des Jugendamts und des Tageselternvereins vom Wissensstand überzeugt. Jugendamtsleiterin Angelika Klingler blickte auf die „anstrengenden Tage“ zurück, was sie den ausgehängten Plakaten entnehme. Doch mehr noch bestärkte sie alle Teilnehmenden, ab September die nächste Stufe der Fortbildung mit dem 140 Einheiten umfassenden Aufbaukurs anzustreben.

Die Neuqualifizierten hätten viel geleistet, stellte auch Paul Huber fest, nun dränge er, die letzte Gelegenheit der Weiterbildung mit dem im September beginnenden Kurs zu ergreifen, denn die Qualifizierung der Tagespflegepersonen befinde sich gerade im Umbruch. Parallel zum gerade beendeten Grundkurs habe bereits der erste Kurs nach neuem Konzept mit 300 Unterrichtseinheiten begonnen. Die beruflichen Aussichten für Tageseltern seien hervorragend, warb er um weitere Interessierte, weiblich wie männlich, der Bedarf an Betreuungsplätzen werde weiterhin enorm steigen, ein dramatischer Fachkräftemangel sei in den kommenden Jahren zu befürchten. Erfreulich sei, dass die 13 Absolventen dieses Kurses den gesamten Landkreis abdeckten und wohnortnah ihre Kinderbetreuung anbieten könnten. Besonders herausheben wolle er, dass sich in Schopfloch erstmals das Ehepaar Stefanie und Anastasios Worm gemeinsam dieser Aufgabe widme. Vor 25 Jahren aus dem Ehrenamt erwachsen habe sich der Tageselternverein zum verlässlichen Partner der Familienpolitik in der Jugendhilfe entwickelt, was einem engagierten und fachkundigen Team an Referenten zu verdanken sei.

Die neuen Tageseltern

Horb: Wassilina Eweka, Eva Kastunowicz

Freudenstadt: Sybille Kaltenbach, Ulrike Plonka-Hertzsch, Stephan Voegeli

Baiersbronn: Claudia Beißwenger

Empfingen: Effrosyni Diamantidou

Glatten: Kathrin Gebele

Loßburg: Judith Bühner

Pfalzgrafenweiler: Hildegard Gärtner

Schopfloch: Stefanie und Anastasios Worm

Tageseltern im Landkreis stark gefragt

Schwarzwälder Bote, 13.07.2020
Susanne Münstermann legt Wert darauf, dass ihre Tageskinder viel an der frischen Luft sind. Foto: Reimer
 

Kreis Freudenstadt - Tageseltern sind gefragter denn je. Im Landkreis Freudenstadt wird daher dringend Nachwuchs benötigt. Doch wie sieht der Alltag einer Tagesmutter aus? Susanne Münstermann aus Glatten gewährt in unserem Artikel einen kleinen Einblick in ihren Alltag.

"Man muss ein Herz für Kinder haben. Das ist die erste Voraussetzung, wenn man Tagesmutter sein will", erklärt Susanne Münstermann. Sie sitzt neben den beiden zweijährigen Sascha und Theo, die auf einem Spielteppich mit Spielzeugautos die Straßen abfahren.

Die Auswahl für die zwei Jungs ist groß. In dem von ihr und ihrem Mann eigens für die Betreuung eingerichteten Raum finden sich neben kleinen Plastiktierchen und -autos auch eine Kinderküche mitsamt Spielzeuginventar sowie ein kleines Schaumstoffset zum Drüberkrabbeln und Runterrutschen. Ab und zu wird auch gemalt, wie die Bilder der kleinen Künstler, die an der Wand hängen, zeigen. Für Abwechslung ist somit gesorgt.

Pädagogische Ausbildung ist keine Voraussetzung

Münstermann betreut nur Kinder, die jünger als drei Jahre alt sind. U3-Kinder machen im Landkreis Freudenstadt etwa die Hälfte der von Tageseltern betreuten Kinder aus, erklärt Irina Novolodskih, Fachberaterin vom Tageselternverein Landkreis Freudenstadt. Es ist aber auch möglich, Kinder bis zum 14. Lebensjahr von Tageseltern betreuen zu lassen.

Münstermann arbeitet seit etwa zweieinhalb Jahren als Tagesmutter. Vorher war sie Betreuerin im Kindergarten. "Eine pädagogische Ausbildung ist aber keine Vorraussetzung", erklärt Novolodskih. Das Basiswissen wird in Qualifizierungskursen vermittelt. Nachwuchs wird im Landkreis Freudenstadt dringen benötigt. "Die Tageseltern bei uns sind meist voll ausgelastet", meint Novolodskih, "und es kommt vor, dass Schwangere bereits für ihr ungeborenes Kind nach einem Betreuungsplatz fragen."

Im Landkreis verteilen sich etwa 350 Kinder auf 90 Tageseltern. Die meisten von ihnen sind Frauen, nur einen Tagesvater gibt es derzeit im Kreis. Münstermann erklärt, dass Kinder bei ihr etwa anderthalb Jahre vorher zur Tagespflege angemeldet werden müssen. Die Nachfrage sei in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. "Es ist ein gesellschaftlicher Wandel wahrnehmbar. Es wird erwartet, dass beide Eltern frühzeitig wieder ins Berufsleben zurückkehren", meint sie.

Fast immer geht es nach draußen

Ein kleines Spielzeugkrokodil sorgt bei Sascha und Theo für Ärger. "Beißt das Krokodil wieder? Dann müssen wir ein Gehege bauen", sagt Münstermann und schreitet mit den Jungs zur Tat. Nachdem das Tier gebändigt und in seinem Lego-Käfig untergebracht wurde, geht es kurze Zeit später nach draußen in Münstermanns Garten.

Sie gehe immer mit den Kindern raus, entweder in ihren gepachteten Garten oder in den naheliegenden Wald. "Wenn’s blitzt und donnert, bleiben wir auch mal drinnen", sagt Münstermann. Und das sei auch ein großer Vorteil an dieser Arbeit. "Man kann sich sein eigenes Konzept zusammenstellen. Man kann mit den Kindern rausgehen oder mit ihnen drinnen bleiben und musizieren, malen oder spielen", meint sie. Auch die Arbeitszeiten kann man selbst bestimmen. Sie bietet beispielweise die Betreuung vier Tage die Woche von 7 bis 14 Uhr an. So bleibe auch genug Zeit für die eigene Familie.

Neben Spiel und Spaß auch Förderung

Münstermanns Garten liegt einige hundert Meter von ihrem Haus entfernt. Sie nutzt die Gelegenheit, Sascha und Theo das sichere Überqueren der Straße beizubringen. Die Jungs bleiben brav auf dem Gehweg stehen und schauen erstmal, ob ein Auto kommt. Auch das gehört zu den Aufgaben einer Tagesmutter. Neben Spiel und Spaß müssen die Kinder in ihrer Entwicklung gefördert werden.

Auf dem Weg zum Garten wird Sascha von seinem Vater abgeholt. Er sträubt sich zunächst ein wenig. Widerwillig und mit trauriger Miene geht er dann doch. "Das passiert auch manchmal, dass die Kinder noch bleiben wollen", sagt Münstermann und lacht.

Den Garten hat Sie mit Hilfe ihres Mannes in einen kleinen Spielplatz umgewandelt. Rutsche, Klettergerüst, Sandksten und ausreichend Platz bieten den Kindern genug Möglichkeiten sich auszutoben. Theo hat diesmal Lust, im Sandkasten zu spielen. Während er mit Schaufel und Händen im Sand buddelt, "backt" Münstermann ihm einen kleinen Sandkuchen. Ein Sonnensegel spendet den beiden etwas Schatten und schützt sie vor der knallenden Mittagssone.

Geduld und gute Nerven - auch für die Eltern

Spieltplatz und Spielzimmer – das hat nicht jeder zu bieten. Das ist aber auch nicht zwingend notwendig. "Viele Tagesmütter betreuen die Kinder in ihrem eigenen Wohnzimmer. Das geht natürlich auch", sagt Münstermann. Viel wichtiger sei es, dass man neben einem Herz für Kinder, Geduld und gute Nerven – auch für die Eltern – mitbringt, sowie den Rückhalt der eigenen Familie hat. Die Arbeit als Tagesmutter oder -vater stelle schließlich das Haus auf den Kopf, meint sie.

Der nächste Qualifizierungskurs des Tageselternvereins Landkreis Freudenstadt soll im November beginnen. Dieser hat einen Umfang von 160 Stunden und erstreckt sich über einen Zeitraum von etwas mehr als einem Jahr. Der Kurs qualifiziert Anwärter zur Kindertagespflege. Die Anmeldung ist bereits möglich.

Angehende Tageseltern sollten Interesse und Freude an Kindern haben sowie die Bereitschaft, sie bei ihrer Entwicklung zu begleiten, so der Tageselternverein. Die Tätigkeit sollte für einen möglichst mehrjährigen Zeitraum gewählt werden. Zur Erteilung der Pflegeerlaubnis sind ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis und ein Gesundheitsnachweis erforderlich, ebenso ein Schul- oder Berufsabschluss.

Der Tageselternverein wurde 1996 in Horb gegründet. 2003 erweiterte er seinen Tätigkeitsbereich auf den gesamten Landkreis. Zu seinen Aufgaben zählen unter anderem die Vermittlung von Betreuungspersonen an Eltern, die Beratung von Eltern und Tageseltern sowie die Organisation von Qualifizierungs- und Fortbildungsmaßnahmen für Tageseltern in Zusammenarbeit mit dem Kindertagespflegedienst des Landkreises. Seit seiner Gründung hat der Verein mehr als 1 000 Kinder in Tagespflege vermittelt und über 500 Tageseltern für ihre Tätigkeit qualifiziert.

Stopp für Urlaubsgeld-Regel

Schwarzwälder Bote, 04.03.2020
 

Der kürzlich gefasste Beschluss des Kreistags zur besseren Vergütung der Annexleistung "Urlaub/Krankheit" bei Tageseltern wird wieder aufgehoben.

Kreis Freudenstadt (mos). Über die Aufhebung des Beschlusses wird der Kreistag in seiner Sitzung am 16. März entscheiden. Die entsprechende Empfehlung des Jugendhilfeausschusses liegt seit Montag vor – einstimmig.

Darin gehe es um die Vergütung von Urlaub und Krankheit. Geplant war, dass künftig für maximal vier Wochen Urlaub im Jahr und maximal vier Wochen Krankheit eine Vertretungsperson die doppelte laufende Geldleistung bekommen soll, und dass die normale laufende Geldleistung in dieser Zeit aber trotzdem weiter an die Haupt-Tageselternperson bezahlt wird. Der Tageseltenverein war seinerzeit davon ausgegangen, dass dies zu Mehrkosten von etwa 16 000 Euro pro Jahr führen wird. "Beim zweiten Hinschauen haben wir nun aber festgestellt, dass wir da wohl etwas über das Ziel hinaus geschossen sind", sagte der Erste Landesbeamte Reinhard Geiser zur Wiedervorlage des Themas.

Vorausgegangen war eine nochmalige Berechnung des Tageselternvereins, der auf Grundlage einer durchschnittlichen Betreuungszeit von 65 Stunden pro Kind und Monat bei derzeit 380 Kindern Mehrkosten von 321 000 statt 16 000 Euro errechnete. Aus diesem Grund soll der Beschluss nun aufgehoben und das Thema im Arbeitskreis erneut beraten werden, um eine rechtssichere und realistische Lösung zu erarbeiten.

Paul Huber vom Tageselternverein betonte, dass man das Thema nicht nur wegen des Geldes, sondern wegen weiterer Umsetzungsprobleme in Zusammenhang mit der Neuregelung erneut aufs Tapet gebracht habe. Im Landesverband habe man das Thema ebenfalls diskutiert und landesweite Empfehlungen überlegt, nachdem bisher keines der umgesetzten Modelle richtig gut funktioniere. Deshalb sei es wichtig, das Ganze in Ruhe anzugehen und gut zu überlegen, um am Ende eine "nachhaltige Lösung" zu präsentieren.

Auf Nachfrage von Kreisrätin Anita Frank (Frauenliste) betonte die zuständige Dezernentin Sarah Schauer, dass man auch den Fehler gemacht habe, bei der Berechnung den Ist-Zustand zugrunde zu legen. Realistisch sei aber, dass bei besserer Vergütung entsprechend mehr Urlaubs- und Krankheitsfälle anfallen. Bisher musste die Tagespflegeperson ihr Geld für die Dauer der Vertretung an die Vertretungsperson abgeben, weshalb viele auf Urlaub verzichtet und auch dann gearbeitet hätten, wenn sie sich gesundheitlich nicht wohl gefühlt hätten. Das sei künftig vermutlich nicht mehr so.

Auf die Frage von Anita Frank betonte Huber, dass er bisher aufgrund der besseren Vergütung keinen konkret höheren Zulauf an Tageseltern festgestellt habe. Man sei aber guten Mutes, auch weiterhin Tagespflegepersonen zu finden und die Zahlen zumindest zu halten. Auch deshalb, weil beispielsweise die Nachtbetreuung zwischenzeitlich deutlich besser bezahlt würde als bisher. Besonders in Gebieten wie Baiersbronn mit viel Gastronomie werde das genutzt. Derzeit laufe ein Qualifizierungskurs mit acht Teilnehmern, umgekehrt gebe es aber auch Abgänge.

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